23.04.2024

Christian Klees – Olympia-Gold in 1996

 

Der damalige Eutiner Sportschütze Christian Klees gewann 1996 Olympia-Gold im KK-Liegendschießen – Erinnerungen an die Zeit vor 25 Jahren

EUTIN   – Am 23. Juli begannen in Tokio die Olympischen Spiele – fast auf den Tag genau vor 25 Jahren, am 25. Juli 1996, sorgte der damalige Eutiner Sportschütze Christian Klees für die Sensation. Er gewann im Alter von 28 Jahren für Deutschland im Kleinkaliber-Liegendschießen in Atlanta (USA) für Deutschland die erste Goldmedaille. Und das mit stolzen 70 Zehnerschüssen, 60 im regulären Wettbewerb, weitere zehn steuerte er im Finale dazu.

Viele Medien berichteten 1996 ausführlich

Der heute 53-jährige Verwaltungsangestellte bei der Gemeinde Malente war von seinem Vater, Oberschießwart Jürgen Klees, zu den Eutiner Sportschützen geführt worden und hatte sich mit der Goldmedaille nach vielen nationalen und internationalen Erfolgen seinen sportlichen Lebenstraum erfüllt. Dazu hatte er Weltrekord mit den nur möglichen 600 Ringen auf 50 Meter Distanz geschossen, die elektronisch gemessenen 104,8 weiteren Ringe im Finale bedeuteten zudem olympische Bestleistung. Der Rekord fiel erst bei den Spielen in London 2012.

Spannung bei zehn Finalschüssen

Christian Klees stand sofort bundesweit in den Schlagzeilen, damit auch seine Heimatstadt Eutin, in der Bürgermeister Eike-Gernot Grimm Beflaggung anordnete und den Atlanta-Rückkehrer auf dem vollen Marktplatz begrüßte. Fernsehteams interviewten den Goldjungen und besuchten den Schießstand der Eutiner Sportschützen auf dem Vogelberg. Seine Heimatstadt verlieh ihm den Ehrenring der Stadt Eutin. Der Bundespräsident das Silberne Lorbeerblatt. Die „Christian-Klees-Halle“ in der Jugendfreizeit- und Bildungsstätte des Kreises Ostholstein in Scharbeutz wurde nach ihm benannt.

Christian Klees erinnert sich heute: „Mit elf Jahren war ich nach einem Ferienpass-Schießen bereits im Verein, es entwickelte sich eine Schießsportleidenschaft. Im Alter von 16 gehörte ich bereits zum Landeskader des Norddeutschen Schützenbundes. Der Deutsche Schützenbund entdeckte mich und freute sich wie ich 1988 bereits über den dritten Rang des DSB-Teams Junioren-Europameisterschaft in Finnland.“ Die Eutiner Sportschützen förderten das besondere Talent im Rahmen der Möglichkeiten, ermöglichten viele Reisen zu Starts auf nationaler und internationaler Ebene. So ging es mit der Sammlung von Titeln und guten Platzierungen los, bei deutschen Meisterschaften, bei Weltcups, Europa- und Weltmeisterschaften. Nach der Verwaltungslehre und einigen Dienstjahren in der Gemeindeverwaltung Süsel war Klees beruflich beim Kreisgesundheitsamt Ostholstein gelandet. Der später den Wohnsitz von Eutin nach Plön wechselnde Klees: „Ich hängte meinen sicheren Beruf wegen der Vorbereitungen zwanzig Monate vor Olympia an den Nagel, finanziell half die Sporthilfe. Auch machte ich mich mit dem Top-Shooting-Shop in Eutin und einer Schießsportschule selbständig. Das alles war ein großes Risiko.“  

 

Finanziell leben konnte der davon aber nicht, auch nach Olympiagold gab es nicht die Sponsoren, die in anderen Sportarten auftreten. So setzte er seine Verwaltungslaufbahn bei der Gemeinde Malente fort.

 

Sportlich unternahm der Olympiasieger von 1996 noch einmal vergeblich den Versuch, sich für die Spiele 2000 in Sydney zu qualifizieren. Nach dem Weltcup-Finale 2001 erklärte er das Ende seiner internationalen Karriere. Auf Vereinsebene war Klees maßgeblicher Motor für die einjährige Zugehörigkeit der Luftgewehrmannschaft der Eutiner Sportschützen in der Bundesliga. Er selbst schoss dabei sogar mit.

Für den seinerzeit im Land sehr erfolgreichen Verein brachte das Olympia-Gold übrigens eine wichtige Entwicklung. Der von 1980 bis 2006 führende 1. Vorsitzende Wilhelm Boller erinnert sich: „Die Jugendabteilung stieg von gut zwölf zeitweise auf 40 Mädchen und Jungen, sie alle wollen jetzt Schießsport. Auch durch Erwachsene erhöhte sich die Mitgliederzahl auf über 200.“ Die Räumlichkeiten reichten nicht, mehr Teilnehmer als bisher verzeichnete der Verein auch beim Betriebsmannschaftsschießen und der über Jahre angebotenen internationalen Schießsportwoche. Für beides führte Klees mit seinem Vater die Regie. „So fühlte sich der Verein quasi gezwungen, einen großen Anbau mit Aufenthaltsraum, Umkleiden im Keller und einer sicheren Waffenkammer auf dem Eutiner Vogelberg zu verwirklichen. Dafür haben wir gut 320.000 DM ausgegeben, eine Investition in die Zukunft“, sagt der ehemalige Vorsitzende.

Ende 2010 verließ Christian Klees nach Unstimmigkeiten seinen Verein, setzte sein Fachwissen als Co-Trainer mit Erfolg bei der Schützenbrüderschaft Freiheit Osterode aus dem Harz ein, deren Luftgewehrteam 2018 den nationalen Titel des Bundesligasiegers erreichte.

Und was ist mit der Ausübung des Schießsports nach dem offiziellen Rücktritt beim DSB?

„Spaß macht es ab und zu weiterhin. Ich habe ja recht überraschend für mich bei der ersten Seniorenweltmeisterschaft in Suhl 2019 in der Altersgruppe 45 bis 54 Jahre sogar im Liegendschießen die Bronzemedaille gewonnen“, sagt Klees lachend. „Mit Ostholstein bin ich nach wie vor schießsportlich verbunden. Ich habe inzwischen im SSV Kassau eine neue Heimat gefunden. Dort reizt mich mit den modernen Schießstandanlagen und den vielen Nachwuchstalenten die zweite Trainerarbeit. Immerhin sind die Kassauer nach einem Jahr nicht aus der 2. Bundesliga Nord abgestiegen. Hoffentlich geht es bald weiter.“

       1996                   2021                                                        

Und wie ist das Interesse an Olympia in Tokio? „Ich werde neben vielen anderen Sportarten selbstverständlich den Schießsport verfolgen. Die Spiele beginnen ja meistens damit, erhalten so also eine besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Die Erfolgsbilanzen der besten Deutschen können sich dabei sehen lassen, mit ein Grund dafür ist die immer weitere voranschreitende Verbesserung des Materials der Schießsportgeräte. Ich drücke unseren Startern die Daumen.“  WBO

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