24.04.2024

50 Jahre Kreisschützenverband Ostholstein 1971-2021

– Vortrag Wilhelm Boller zum KSchTag 2021 in Bujendorf –
Willy Welt und Fritz Schönke

Die kommunalpolitische Kreisgebietsreform Eutin/Oldenburg zum Kreis Ostholstein mit Wirkung vom 26. April 1970 gab den Anstoß für wohl alle Verbände von Kultur, Gewerbe und Sport, ebenfalls ziemlich schnell eine Vereinigung herbeizuführen.

So machten sich die bestehenden Kreisschützenverbände Eutin mit 16 Vereinen, seit 1955 unter der Leitung von Fritz Schönke, und Oldenburg mit 12 Clubs unter Führung des Neustädters Willy Welt seit 1956, auf den Weg zur Zusammenführung. Schönke hatte 1954 die Eutiner Sportschützen mitgegründet, Welt den Sportschützenverein Neustadt.

Die alten Kreisverbände gehörten damals zum Bezirk IV Lübeck im Norddeutschen Schützenbund, der sich 1971 auflöste. Es gab also seinerzeit nach Kreis- auch Bezirksmeisterschaften, bevor man zu den Landesmeisterschaften qualifiziert war.

 

„1. richtiger KSchüTag“ am 13. Mai 1972 in Pansdorf

Am 11.9.1971 fanden sich 49 stimmberechtigte Delegierte in Schönwalde ein, um die seit Monaten vorbereitete Fusion zum Verband Ostholstein zu vollziehen. Um Funktionsfähigkeit zu verlangen wählte die Versammlung den Eutiner Kreischef Fritz Schönke zum 1. Vorsitzenden, sein Stellvertreter war Kurt Diekmann vom Geselligen Verein Bujendorf. Sport- und RWK-Leiter wurden Christian Knapheide und Gerd Teckenburg. Weiter dabei: Schriftführer Harry Saß, Schatzmeister Hermann Jungclaußen, Jugendleiter Lothar Mauritz, Damenleiterin Hannelore Riebe, Pressewart Wilhelm Boller, Scheibenverkauf Emmy Jungclaußen sowie die Nadelsachbearbeiter Uwe Ottens und Horst Reddmann.

Die insgesamt 28 Vereine wuchsen bald zusammen, der KSchV OH entwickelte sich schnell zu einem Vorbild, was das Funktionieren der Organe und des Sportbetriebs angeht. Die hier schon praktizierten Rundenwettkämpfe waren Vorbild für Ligarunden in anderen Kreisverbänden und im Norddeutschen Schützenbund.

 

Aufgaben des KSchVOH

Jugendfreizeiten
Sachkunde
Beratungen

Wie alle 42 Kreisfachverbände im Kreissportverband OH mit ihren rund 49.000 Mitgliedern will der Verband entsprechend der Satzung bei Selbstständigkeit der Vereine den Schießsport, das Brauchtum und die Tradition fördern und pflegen. Er liegt mit jetzt 1700 Mitgliedern an achter Stelle. Dazu gehört auch in der Gemeinschaft mit dem Norddeutschen Schützenbund und dem Deutschen Schützenbund Leistungs- und Breitensport zu ermöglichen und besonders die Jugendarbeit auszubauen und zu unterstützen. Die Vereinsumlagen sichern einen Wettkampf- und Meisterschaftsbetrieb, Aus- und Fortbildungen, die Jugendfreizeiten und auch die Sachkundeausbildung.

Kreisvergleich mit Plön
Jugendkönigsschießen

Der Kreisverwaltung wird so die Grundlage gegeben, etwa Waffenbesitzkarten auszustellen. Mithilfe wird geleistet bei der Abnahme von Schießständen, Rat wird gegeben zum Bau von modernen Anlagen, die meistens von den Vereinen selbst zu betreiben sind. Der Kreisverband hat elektronische Auswertegeräte beschafft, für die Jugendlichen unter zwölf Jahren auch Lichtpunktanlagen. Er bietet Besonderheiten wie Kreisvergleichsschießen der Damen mit Plön, Jugendfreizeiten, das Kreiskönigsschießen für Jugendliche und Erwachsene oder das “Er- und Sie-Sportschießen” an.

Kreiskönigsschießen

 

Fachleute sorgen bereits über Jahre für Informationen zu Themen wie Schießstandbau, Sportregeln, Pressearbeit oder sichere Schießbahnen.

Für Starter bei Deutschen Meisterschaften gibt es Zuschüsse, der gesamte Betrieb für Ehrenzeichen und Urkunden liegt auf den Schultern der Kreissportleiter.

Namen sind Menschen mit Verantwortung

Immer starke Vorstandsteams
Heinrich Möller, Ute Barths, Helmut Groß

In den 50 Jahren hat es relativ wenige Vorsitzende gegeben, alle betonten stets, dass es für sie auf das Team im Kreisvorstand ankommt. So auch Helmut Groth aus Lensahn, seit 2020 im Amt: „Alle Positionen sind gut besetzt, für mich als Neuling ist das beruhigend gewesen als ein Nachfolger für Heinrich Möller gesucht wurde.“

 

 

 

Fritz Schönke
Wulf Weede, Präs. Quast, Lothar Mauritz
Peter Brandt

Fritz Schönke war Chef von 1971 bis 1978, mit der Eutiner Zeit ab 1956 insgesamt stolze 22 Jahre. Lothar Mauritz aus Großenbrode folgte von 1978 bis 1986, nach zwei Jahren Wulf Weede aus Kassau kam Mauritz von 1988 bis 1996 erneut ins Amt. Der Neustädter Peter Brand führte den Verband von 1996 bis 2012, der Bujendorfer Heinrich Möller von 2012 bis 2020.

Große Bedeutung auch für diesen Sport hat die Jugendarbeit, die in den Vereinen stattfindet, aber vom Kreisverband unterstützt wird. Die Selbstverwaltung durch einen Jugendvorstand mit der erfahrenen Lore Bausch aus Großenbrode, die auch Landesjugendleiterin im Norddeutschen Schützenbund ist, hat sich bewährt.

 

Lore Bausch
Andreas Berthold
Gaby Flor
Jo Schütt

Im NDSB hatte Fritz Schönke 1972 für drei Jahre das Amt eines Vizepräsidenten inne, Willy Welt war im Vorstand des damaligen Bezirks Lübeck tätig. Über viele Jahre wirkte Joachim Schütt als Landessportleiter mit, Gaby Flor und Andreas Berthold organisierten zuverlässig die Ligawettkämpfe. Vor Lore Bausch, die seit 2005 die Jugend führt, hatten Wulf Weede aus Kassau und der Lensahner Götz Haß über zehn Jahre die Jugend im Griff. Uwe Maßmann war lange Landesvorderladerreferent.

 

Bemerkenswertes

Kreisschützenball 1980 in Oldenburg
Landes-Jugendkönigsschießen 2019: Natalie Sevke (Mitte)
Landeskönigsschießen 2016 mit Wolgang Siebuhr als bestem Schützen
Lena Breuer

Über viele Jahre gab es prächtige Kreisschützenbälle wie in Oldenburg mit Musik, Tanz und Tombola. Vereine wie die Ahrensböker Gill 1990, die Schwartauer SG 1998 und die Sportschützen in Neustadt 1999 richteten Landesschützentage aus.

Lena Breuer aus Ahrensbök schaffte es 2016 Bundesjugendkönigin zu werden.

Beim jährlichen Landeskönigsschießen gehörten viele zu den jeweils drei Besten.

 

Besondere Erfolge

Eutiner Sportschützen
Ahrensböker Gill
Eutiner Sportschützen
Schützenverein Malente
SSV Kassau

Aus der Fülle lassen sich nur einige nennen. Unzählige Landesmeister wurden Schützen aus dem Kreis Ostholstein, viele Deutsche Meister und Medaillenträger kamen hinzu. Ostholsteiner mischten über Jahre in Kreis-, Landes- und Verbandsligen mit. Einige Sportler erreichten Erfolge auf internationaler Bühne bei Europa-, Weltmeisterschaften und sogar bei Olympischen Spielen.

Schießen auf Bundesliganiveau – heute auch ein Zuschauersport

 

In den „alten Bundesligen“ starteten bereits die Eutiner Sportschützen, der PSV Eutin, die Ahrensböker Gill und der SV Malente. Nach Neuordnung im DSB ab 1997 schafften die Eutiner mit dem Luftgewehr 2002 für ein Jahr den Aufstieg in die Bundesliga Nord, der SSV Kassau stieg 2018 auf. Kann er drinbleiben?

Volker Sieber
Stefan Dost

Bei Deutschen Meisterschaften standen Ostholsteiner in München, Dortmund und Hannover oft auf dem Treppchen. Für die Bogenschützen kehrten Volker Sieber und Stefan Dost mit Edelmetall heim.

Mira Voß
Nadine Keilwerth
Bert Böhmer
Birte Ihms

Sieber erreichte mit dem Team des SV Griebel die Bundesligaebene, schießt jetzt für den Bosauer SV. Der Schützenverein Malente gewinnt oft die 1. Armbrustliga Nord, fördert diese Sportwaffengattung bereits für Jugendliche. Mira Voß hatte nach Gold bei der DM mit der Armbrust ihren Weltcupauftritt für den DSB. Navina Keilwerth gewinnt EM-Silber. Ebenfalls mit der Armbrust holte Birte Ihms vom SV Malente Einzel-EM-Gold und bei der Weltmeisterschaft Bronze. Im Gehörlosen-Schießsport machte Bert Böhmer über Jahre eine gute Figur auch international.

…und 2019
Siegreiches Team beim Pokal der Landesregierung 2009

Vereine aus Ostholstein und Kreisteams gewannen mehrfach den Ministerpräsidenten-Pokal, später den Pokal der Landesregierung.

 

über Jahre gut: Jens Path
Medaillensammlerin: Christel Gülck

Jens Path, der mit 49 Jahren viel zu früh verstarb, schoss mit neun Jahren beim SSV Kassau, gewann bei der DM mit 13 Jahren Silber mit LG Dreistellung 1980, erreichte in München Gold im Jahr 2003 im Wettbewerb KK 100m. Christel Gülck gewann als beste Auflageschützin aus OH seit 2011 bei Deutschen Meisterschaften Luft- und KK-Gewehr 5x Gold, 2x Silber und 5x Bronze.

Olympiasieger Christian Klees

Schließlich muss zum Schluss Christian Klees erwähnt werden, der seinerzeit für die Eutiner Sportschützen bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 im KK-Liegendschießen mit Weltrekord, der erst 2012 übertroffen wurde, als Höhepunkte seiner Laufbahn die Goldmedaille gewann. Daneben war er mehrfacher Deutscher Meister, Europameister und Weltcupsieger. Zuletzt errang er bei der Senioren-WM 2019 in Suhl die Bronzemedaille.

Die 35 Vereine haben alle ein reges Eigenleben, sie zeigen bei der Schaffung und Unterhaltung, bei der Modernisierung ihrer Anlagen, oft durch finanzielle Unterstützung von Land, Kreis und Kommunen, ihren Einsatz. Sie sind froh über die Hilfen durch den NDSB, den Landes- und Kreissportverband. Sie bieten den Menschen in allen Altersgruppen von den Mädchen und Jungen bis zum Seniorenalter von über 80 vor Ort in den Dörfern und Städten neben Schießsport auch bei Festen und Veranstaltungen ihren Dienst für die Gemeinschaft an. Und sie fühlen sich offensichtlich wohl im Kreisschützenverband Ostholstein.